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Ansprache des Botschafters der Bundesrepublik Deutschland,
S.E. Michael Klor-Berchtold, aus Anlass des Deutschlandtages im Rahmen der Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der Wiederaufnahme der deutsch-jemenitischen Diplomatischen Beziehungen,
Sanaa, 24. Mai 2009

Es gilt das gesprochene Wort !

Sehr geehrter Stellvertretender Premierminister, Mr. Abdulkareem Al-Arhabi, sehr geehrter Herr Kulturminister Dr. Mohamed Abubaker Al-Muflehi,
Exzellenzen,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Gäste aus Deutschland und dem Jemen, liebe Freunde,

Es ist mir eine Freude, heute und hier mit Ihnen den Deutschlandtag im Rahmen der deutsch-jemenitischen Kulturwochen feiern zu dürfen.

Das Jahr 2009 hat eine besondere Bedeutung für uns. Wir feiern in diesem Jahr drei Ereignisse:
Erstens: den 40zigsten Jahrestag der Wiederaufnahme der – allerdings schon viel älteren - diplomatischen Beziehungen zwischen unseren Ländern.
Zweitens: den 60zigsten Jahrestag der Gründung der Bundesrepublik Deutschland, und
Drittens: den 20zigsten Jahrestag des Falls der Berliner Mauer im November 1989.
Und damit nicht genug:
Heute feiern wir auch den 10'ten Geburtstag des Deutschen Hauses Sanaa und Aden. Mein Dank gilt an dieser Stelle dem Deutschen Haus, seinem Leiter Guido Zebisch und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Die Entwicklungszusammenarbeit war von Anfang an eine der wichtigsten Säulen der deutsch-jemenitischen Freundschaft. Die Öffnung des Landes nach außen durch den Bau des Flughafens Sanaa und die innere Verbindung durch den Bau der wichtigen Straße von Sanaa nach Taiz 1968 stehen am Beginnn unserer Zusammenarbeit.
Gemeinsam mit unseren jemenitischen Partnern haben wir in den 40 Jahren versucht, den Herausforderungen und wechselnden Bedürfnissen des Landes Rechnung zu tragen:

  • die Menschen in vielen Städten haben Zugang zu sauberem Wasser erhalten

  • die Einschulungsrate, besonders auch die von Mädchen, ist beträchtlich gestiegen

  • weniger Frauen und Kinder sterben bei der Geburt und Familien haben besseren Zugang zu Familienplanung.

Vergangene Woche haben wir bei den Regierungsverhandlungen in Berlin die Schwelle von 1 Milliarde Euro deutscher Entwicklungshilfe für den Jemen in den letzten 40 Jahren überschritten.

Deutschland und Jemen haben ein gemeinsames jüngstes Schicksal:
die Teilung unserer Länder und die Vereinigung im gleichen Jahr, – 1990.
Ein Jahr früher, 1989 war die Berliner Mauer gefallen. Dies markierte das Ende der Trennung Berlins, der Trennung Deutschlands und der Trennung Europas.
Gerade aus dieser gemeinsamen Geschichte von Trennung und Vereinigung heraus möchte ich hier betonen:
Deutschland steht hinter der Einheit des Jemen, Deutschland unterstützt einen vereinten, einen demokratischen und einen republikanischen Jemen.

Ich füge ein Aber hinzu: - Heute haben wir mit dem Projekt „Mauerreise“ Teile der Mauer nach Sanaa gebracht. Denn wir wollen daran erinnern: die Mauer verhinderte jeden Dialog zwischen den Bürgern einer Stadt, zwischen den Menschen in Ost und West.
Gesellschaften brauchen aber keine Mauern, sondern Dialog, - auch und gerade über innere Grenzen hinweg.
Ich fordere daher alle unsere jemenitischen Freunde, die jemenitische Regierung, die politischen Parteien, die Opposition im In- und Ausland, die Zivilgesellschaft, alle Jemenitinnen und Jemeniten zu einem echten und konstruktiven Dialog auf.
Lösungen für die Sorgen und berechtigten Anliegen der Menschen im ganzen Land können nur über Dialog und nicht über Gewalt gefunden werden.

Heute früh, am 24. Mai um 0 Uhr - vor genau 60 Jahren - ist das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Kraft getreten. Es brachte Deutschland Frieden und Wohlstand. Es brachte Deutschland eine freiheitliche und pluralistische Gesellschaftsordnung.
Das Grundgesetz bedeutet auch: jeder in Deutschland kann sich seine freie Meinung bilden, jeder in Deutschland kann seine freie Meinung aussprechen. Meinungs- und Pressefreiheit sind fundamentale Bürgerrechte. Das war in Deutschland nicht immer so.
Daher setzt sich Deutschland heute weltweit - und dies auch hier im Jemen - für Presse- und Meinungsfreiheit als elementare Bestandteile von Demokratie ein.

Und wir Deutschen haben noch eines aus dem Grundgesetz gelernt:
gutes Regieren erfolgt von unten nach oben, und nicht von oben nach unten.
Daher begrüßen und unterstützen wir - aus eigener Überzeugung – die Bemühungen zu Dezentralisierung und
zu Stärkung der regionalen und lokalen Selbstverwaltung im Jemen.
Denn dort draußen sind die Menschen, dort draußen finden wir ihre Anliegen und ihre täglichen Bedürfnisse.

Der heutige Abend ist auch ein Abend der Kultur. Kunst und Kultur haben im Jemen eine jahrhunderte- alte Tradition. Tradition in Kunst und Kultur im Jemen bedeutet - auch – Tradition in freiem Denken und freiem Gestalten im Jemen. Wir Deutschen schätzen dies an Jemen.

Ich heiße die aus Deutschland und Frankreich angereisten Künstler heute hier ganz herzlich willkommen.

Einen Teil des Kulturprogramms verdanken wir einem erfolgreichen deutsch-französichen Projekt aus den Anfängen der Bundesrepublik: dem Elysée-Vertrag. Ich danke hier auch besonders unseren französischen Freunden.

Aus aktuellem Anlass haben wir in der Deutschen Botschaft eine Festschrift zu dem heutigen 40jährigen Jubiläum erstellt.

Es ist mir eine Ehre, Ihnen, Herr stellvertretender Premierminister Al-Arhabi, heute das erste frisch aus dem Druck kommende Exemplar übergeben zu dürfen.

Ich verbinde die Übergabe mit meinem Dank für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Deutschland und dem Jemen in den vergangenen Jahrzehnten. Herzlichen Dank !

Michael Klor-Berchtold
Botschafter